Ascher Vogelschützen e.V.

vormals Bürgerlich k.k. priv.Schützemcorps 1801

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Chronik

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Alte Uniform

Uniform von 1900

1801

im Spätsommer 1801 wurde das Fundament der  Ascher Vogelschützen von jenen Bürgern der Stadt Asch gelegt, die eine bürgerliche Schützengesellschaft (später  k. u. k. priv. Bürgerliches Schützencorps 1801 Asch) gründeten. Dies war ein bemerkenswerter Akt bürgerlicher Emanzipation in einer Zeit, in der weder Versammlungs- noch Vereinigungsfreiheit existierten und Besitz wie Handhabung von Schußwaffen weitestgehend ein Privileg des herrschenden Adels waren. Dieser Akt der Befreiung von Standeszwängen war prägend für das Selbstverständnis der Schützengesellschaft und erklärt das weit über den Kreis der Schützen hinausreichende gesellschaftliche Ansehen des Schützencorps im alten Böhmen. Dieser Akt war möglich, da Kaiser und Adel zur Abwehr der napoleonischen Usurpation des Volkes bedurften. Graf Georg Erdmann bewilligte am 23. Sept. offiziell die Gründung des Schützencorps. Er und Freiherr Karl Zedtwitz stifteten eine Fahne und ein Medaillon mit Silberkette für den Fähnrich.

 

 

4. Jan. 1810

Auszeichnung des Bürgerlichen Schützencorps Asch für dessen außergewöhnlichen Einsatz zur Verteidigung der böhmischen Heimat. Laut K. u K. Hofdekret wird das Corps wegen seiner Treue und Tapferkeit vom Kaiser in die 1. Klasse der österreichischen Schützen-Corps eingegliedert. Diese höchste Auszeichnung war zum damaligen Zeitpunkt nur wenigen zu Teil geworden (ca. 30 Corps)

 

1813/1814:
Erster Schießhausbau in der Kaiserstraße mit Schießständen. Kosten 25 000 Gulden

 

1834:
Abänderung der Uniform, jedoch noch im alten Stil

 

1848:
Ganz neue Uniform, weg von den hohen Stiefeln und Fräcken. Die neue Uniform nannte sich "Pantolone mit Röcken" Erstmals seit 1817 Reorganisation des Reglements.

 

1849

Das bürgerliche Schützencorps stützte 1848/49 die deutsche Verwaltung Böhmens gegen die Pfingstrevolte des Prager Slavenkongresses. Sonderauszeichnung mit höchstem Orden durch den Kaiser persönlich, wegen sehr guter Dienste für Kaiser und Reich.

 

30.06.1853:
Einweihung des Kaiserdenkmals für Kaiser Franz I. in Franzensbad. Hierfür wurden Ehrenwachen gestellt und Salutschießen für den Kaiser durchgeführt.

1860:
Anlässlich des 500-jährigen Bestehens der "Prager-Scharfschützen" werden in Prag die Hauptleute Bayreuther, Hofmann und Pfrötschner zu Ehrenoffizieren des Prager Corps ernannt.

 

1863:
Die zweite Fahne wird geweiht. (die Erste ist beim großen Feuer 1853 zerstört worden)

 

1864:
Große Besichtigung durch den Kaiser persönlich. Gesamtstärke waren 115 aktive Mann.

 

1898:
Der Blitz schlägt in die Vogelstange ein. Der Vogel war damals an einer hohen Stange aufgehängt gewesen. Der Vogel war also durch den Herrgott abgeschossen worden. Ein Scheibenschießen war auch nicht möglich, da durch ein extremes Unwetter mit Wolkenbrüchen die Schießunterstände "total abgesoffen" waren. Aus dieser Zeit stammt das alte Sprichwort:

Hear mal, da drüm mous ja maira grengt hom, als in Schejwal.

1900:
Neue Uniformen mit grauen Hosen, grünschwarzem Waffenrock mit Goldknöpfen, Portepee, Säbel, Stiefeletten und Federbuschhut. (Kaiserhut mit Federbusch der Schwanzfedern von 60 Hähnen!!!) Diese Uniform wurde getragen bis zur Einweihung des Gustav-Geipel-Denkmals im Jahr 1924.

 

1901:
100-jähriges Bestehen

 

1922

Das Schützencorps trägt als traditionelles gesellschaftspolitisches Organ des Bürgertums die Last des bürgerlichen Widerstandes der deutschen Bevölkerungsmehrheit gegen autoritäre Maßnahmen der nunmehr tschechischen Staatsmacht. Bis 1922 wurde mit dem Gewehr ausgerückt. (Wendelgewehre) Jeder Schütze hatte sein Gewehr Zuhause aufbewahrt. 1922 kamen alle Gewehre auf Befehl..der tschechischen Verwaltungsbehörden  in das Schützenhaus.  Die original Feldhaubitze wurde nach dem ersten Weltkrieg  unter tschechischer Staatsgewalt von dieser in der Schießbahn gesprengt, bevor der Schützenzug das Schützenhaus erreicht hatte.

 

1928:



 

Schießhaus

(Schießhaus 1928)

 

 

Es erfolgte ein Neubau des Schützenhauses mit einer Großküche, Cafe, Schwemme, Restaurant, Großer Ballsaal, 30 Fremdenbetten, Galerie mit Zimmerstutzenschießanlage, Schießhalle, Musikpavillion, Hausmeisterhaus, einem Park mit Festplatz und Fußballplatz auf einer Gesamtfläche von 25 000 qm. Durch die Wirtschaftskrise und einhergehender großer Arbeitslosigkeit entstanden große Finanzschwierigkeiten. Durch Spenden der Mitglieder (Bausteine) und durch Spenden Ascher Bürger, speziell des Fabrikanten Fischer, konnten die Schwierigkeiten überwunden werden.

 

1939:
In diesem Jahr fand das letzte Ascher Vogelschießen in der böhmischen Heimat statt.

 

1943

Das  Bürgerliche Schützencorps 1801 Asch wurde von der NS-Verwaltung aufgelöst und zugunsten der Stadt Asch entschädigungslos enteignet. Der Schießbetrieb ging in die Hand der NS-Sportorganisationen über.

 

1945 bis 1948

Vertreibung der gesamten deutsen Bevölkerung der Stadt und des Kreises Asch

 

1952 bis 1974:
In diesen Jahren war ein loser Zusammenhalt gegeben. Das alte traditionelle Ascher Vogelschießen wurde zuerst mit der Armbrust in Dörnigsheim bei Hanau geschossen, später konnte, durch das freundliche Entgegenkommen der Schützengesellschaft Rehau, welche ihre Schießanlage zur Verfügung stellte, und der befreundeten Schützenbrüder aus Wüstenselbitz, die ihre Waffen und ihr Wissen zur Verfügung stellten, das Schießen auf den hölzernen Vogel mit Vorderlader durchgeführt werden. (Seit 1990 wird wieder mit der Armbrust auf den Vogel geschossen)

26.04.1974:
An diesem Tag gründeten heimattreue Männer und Frauen, allen voran unser leider verstorbener Rudolf Wagner, im Vereinszimmer der Turnhalle in Rehau unseren heutigen Verein "Ascher Vogelschützen e. V."

In den folgenden Jahren wurde das Trainigsschiessen auf benachbarten Schießanlagen durchgeführt, bevor das Grundstück Eulenhammer 5 durch den Verein erworben werden konnte und dank der Spendenfreundlichkeit der Ascher Landsleute, hier muss besonders die hochherzige Spende von Hermann und Bertl Müller hervorgehoben werden, sowie der selbstlose Einsatz der Vereinsmitglieder, eine Schießanlage errichtet werden, die in seiner Art mustergültig ist in Nordostoberfranken.

Die Einweihung der Schießanlage auf dem Eulenhammer 5 fand statt am 07.11.1987

Alt-Fähnrich Siegfried Richter und der amtierende Fähnrich Udo Reinhardt, präsentieren stolz die Fahne der Ascher Vogelschützen.

Die Fahne wurde gestiftet von Hermann Müller, seine Frau Bertl Müller ist unsere verstorbenen Fahnenpatin.

 

22.Juli 2001:
An diesem Tag feierte der Schützenverein seine vom 1. Vorstand Manfred Janda excellent vorbereitete u. geleitete 200-Jahr-Feier

 

 

Quellen:

Heimatkunde des Ascher Bezirks, von J. Tittmann, Asch 1893; Chronik der Stadt Asch; Chronik der Stadt Rehau; Aufzeichnungen der Herren Lorenz sen. und Lenk sowie insbes. des Vaters von Herrn Dipl.-Ing. Heinz Ludwig.  Fotos/Text: Archiv - AVS